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Ein Zeugen Jehovas-Watchblog: kritisch, subjektiv, apostatisch

Archiv für das Schlagwort “Zeugen Jehovas”

Der „treue und verständige Sklave“ – Gleichnis oder Prophezeiung?

Die Auslegung von Matthäus 24:45-47 bildet die wichtigste Grundlage der Wachtturm-Theologie.

Auf Bruderinfo.de verfolgen wir eine sehr interessante Diskussion, ausgehend von einem ausführlichen Artikel über die Auslegung des „treuen und verständigen Sklaven“.

Diese ganzen Bemühungen [das Missionswerk, Anm. d. Red.] sind auf eine Illusion gestützt, eine illusionäre Vorstellung, die zum “Grundeckstein” der Wachtturmreligion geworden ist, auf dem alles andere ruht; eine Vorstellung, die das Denken derer beherrscht und kontrolliert, die die Literatur verfassen, aber auch die der Zeugen, die sie lesen.

Ein interessanter Gedankengang: Was, wenn dieser für die Zeugen-Ideologie so wichtige Text keine Prophezeiung, sondern nur ein Gleichnis war? Warum wird der Paralleltext im Lukas-Evangelium nicht hinzugezogen? Stürzt da etwas ein ideologisches Kartenhaus in sich zusammen?

Es scheint so zu sein, das der selbsternannte Sklave, der sich als Mitteilungskanal Gottes positioniert hat, zwar immer wieder spekulative Daten nennt, wann der Herr kommt oder gekommen sein soll, aber in seinem Herzen selbst nicht daran glaubt.

Ein kluger, sehr lesenswerter Artikel, was genauso für die im Kommentarbereich entstandene Diskussion gilt. wtwatch empfiehlt: Das „Gleichnis“ vom „treuen und klugen“ Sklaven auf Bruderinfo.

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Zeugin Jehovas stirbt an den Folgen einer verweigerten Bluttransfusion

Wie am 25. Oktober 2012 bekannt wurde, ist eine Zeugin Jehovas aus West Kansas verstorben. Der Kansas City Star berichtet in seiner Web-Präsenz, dass das 66jährige Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, hatte an einer primären biliären Zirrhose gelitten und benötigte dringend eine Spenderleber. Sie verweigerte sich allerdings der Lebertransplantation aufgrund der benötigten Bluttransfusion und forderte eine Operation Nebraska. Der Staat argumentierte dagegen: Eine religiöse Einstellung sollte nicht die Kosten und damit die Versicherungssumme einer Operation beeinflussen.

S. refused to undergo a liver transplant at the University of Kansas Hospital because she would need a blood transfusion – something she couldn’t accept as a Jehovah’s Witness. She wanted to receive a special bloodless transplant in Nebraska instead.

State officials had argued in court that there was no medical necessity for a bloodless transplant, and that her religious preference shouldn’t determine insurance coverage. (Read more here: http://www.kansascity.com/2012/10/25/3884805/woman-dies-who-needed-bloodless.html#storylink=cpy)

Letztendlich lenkte der Staat ein. Es war jedoch zu spät: Der Zustand der Zeugin hatte sich soweit verschlechtert, dass sie für eine Transplantation nicht mehr in Frage kam. Sie verstarb. Sie hinterlässt einen Mann, sechs Kinder und 24 Enkel.

Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Dame, und das auch nur mit Einschränkung: Schließlich hat man sehenden Auges in den Tod geblickt, darüber hinaus haben die Zeugen Jehovas die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Sie glauben also an ein Wiedersehen. Aus ZJ-Sicht ist die Trauer nur für die Hinterbliebenen angebracht. Die Verstorbene ist bereits jetzt mit anderthalb Füßen im Paradies.

Allerdings erfüllt es uns mit tiefer, ehrlicher Trauer, dass ein weiterer Mensch aufgrund von religiösem Fundamentalismus unnötig sterben musste.

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„Eigentlich sind die ja ganz nett“

Wenn man als ehemaliger Zeuge Jehovas mit Menschen, die nie Zeugen Jehovas waren, über die Zeugen Jehovas redet, trifft man meistens auf eine der folgenden drei Reaktionen: Völlige Unwissenheit, Ablehnung des Glaubens oder die Zwischenstufe, die wir „gefährliches Halbwissen“ nennen möchten. Sie äußert sich dadurch, dass der/die Betroffene einen Arbeitskollegen/Kumpel/Schüler/Schulkameraden/etc. hat, der Zeuge und „eigentlich ganz nett“ ist.

Und ja, das stimmt. Ein Großteil der Zeugen Jehovas sind sehr höfliche und umgängliche Menschen, mit denen man gern zusammenarbeitet. Sie sind großartige Nachbarn, denen man getrost die Wohnung und das Haustier während des Urlaubs anvertrauen kann, sie sind ehrliche Arbeitnehmer, die ihrem Arbeitgeber immer gewissenhaft zu Diensten sein werden, sie zahlen Steuern, engagieren sich in vielen Ländern sozial und in den seltensten Fällen wird jemand unter Alkoholeinfluss von einem Zeugen überfahren werden.

Auch wir haben nichts gegen unsere Glaubensgeschwister. Wir hadern nicht mit einzelnen Menschen, sondern mit einer Ideologie. Während unserer Zeit bei den Zeugen haben wir großartige Menschen kennengelernt, viele sind zu sehr guten Freunden geworden, Freunde, mit denen man Urlaube verbrachte, für die man da war und umgekehrt. Was diese Freundschaft allerdings wert war, erfuhren wir an dem Tag, als wir beschlossen, unseren eigenen Weg zu gehen: Nichts. Menschen, mit denen man Jahre gemeinsam verbrachte, mit denen man Erinnerungen teilte, Freud und Leid, wollen von einem Tag auf den anderen nichts mehr mit einem zu tun haben. Und nicht nur die: Selbst engste Familienmitglieder wenden sich von einem ab, auf Basis kruder biblischer Prinzipien.

Ja, Zeugen Jehovas sind in der Regel freundliche, tolle Menschen. Was daran liegt, dass die Verbreitung der „guten Botschaft“ (=die Lehre der Zeugen Jehovas) einziges Lebensziel eines Zeugen ist. Zwar soll man den Umgang mit „Weltmenschen“ auf ein Minimum reduzieren, es wird aber jedem Zeugen empfohlen, ein respektvolles Verhältnis zu seinem „weltlichen“ Umfeld zu pflegen, um die Chance zu haben, dieses Umfeld mit der guten Botschaft zu versorgen. Die Freundlichkeit der Zeugen entspringt zwar durchaus einer inneren Einstellung – „Liebe deinen Nächsten“ –, sie ist aber gleichermaßen ein trojanisches Pferd. Mit einem einzigen Zweck. Deine Bekehrung. Das sollte man niemals vergessen. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass der freundliche Arbeitskollege, der zwar ein „Zeuge Jehovas, aber eigentlich ganz nett“ ist, womöglich sein Kind im Stich gelassen hat, die Meinungsfreiheit missachtet und im Zweifel seine Freundschaft sofort und ohne mit der Wimper zu zucken opfern würde.

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