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Ein Zeugen Jehovas-Watchblog: kritisch, subjektiv, apostatisch

Archiv für die Kategorie “Kindesmissbrauch”

Sparlock The Warrior Wizard, oder: Der erste Zeugen-Jehovas-Shitstorm des neuen Jahrzehnts


Wer im Sommer einen Bezirkskongress der Zeugen Jehovas besucht hat, wird ihn bereits kennen: Sparlock The Warrior Wizard, ein Animationsfilm für Kinder über die Gefahr eines Zauberspielzeugs! Was die Leitende Körperschaft offensichtlich für eine ziemlich gute Idee hielt, hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem regelrechten Shitstorm entwickelt. Damit hat die Wachtturm-Gesellschaft, der DFB der Zeugen Jehovas, die wiederum die DFL der Wachtturm-Gesellschaft darstellen, gleich zwei Dinge erreicht: Sie haben ihr erstes Animationsvideo produziert und sind endgültig im Internet-Zeitalter angekommen.

Wer oder was ist Sparlock?

Sparlock ist ein Animationsfilm der Zeugen Jehovas, Prädikat: Pädagogisch grauenvoll. Im englischsprachigen Raum ergießt sich bereits Spott über die Leitende Körperschaft, man munkelt sogar, dass Sparlock, der berühmteste Zeuge Jehovas der Welt, demnächst eine Gastrolle bei den Simpsons bekommt! Aber wer ist Sparlock denn nun genau?

Sparlock The Warrior Wizard is an unlikely hero. He was invented by a religion who thinks plastic „magical“ toys are evil and should be thrown away. To reinforce this view, they produced a video where a young boy is guilted into throwing away a Sparlock action figure. This video went viral on the Internet before it was taken down due to a copyright complaint by the Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania. This just caused new videos to spring up that included commentary and are at least theoretically protected under fair use. (Quelle)

Kurz: Sparlock ist eine Spielfigur, ein Zaubererkrieger, was die Zeugen halt unter World of Warcraft verstehen, ohne es je gespielt zu haben. Der kleine Caleb bringt Sparlock von der Schule mit nach Hause. Seine Mama ist entsetzt: Zauberei im Haus! Das wird Jehova gar nicht gut finden! Oh la la! Was danach kommt, ist die übliche Hetzpropaganda gegen alles, was nicht auf Zeugenlinie ist: Zauberei, selbst in Form eines harmlosen Spielzeugs, wird von Gott abgelehnt, deshalb muss Caleb das Spielzeug… Nein, wir wollen nicht spoilern. Wir empfehlen unseren Lesern, den nächsten Königreichsaal aufzusuchen und ein kostenloses Exemplar dieses Meisterwerks, dass selbst Uwe Boll scheiße fänd, abzustauben.

Das Ganze ist natürlich furchtbar schlecht, gerade mal ein Jota besser animiert als Slender, inhaltlich so hanebüchen, dass man kaum glauben kann, dass acht erwachsene Menschen (=die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas) diesen Wahnsinn tatsächlich abgesegnet haben. Andererseits waren wir von wtwatch lang genug dabei. Aber selbst uns kann man immer noch überraschen.

Das ist für uns erwachsene Ex-Zeugen und Außenstehende alles ein Riesenspaß, auch wir in der wtwatch-Redaktion haben sehr gelacht. Aber leider ist die Kehrseite der Medaille unfassbar traurig.

Die traurigen Fakten

Dieser neue geistige Erguss der Leitenden Körperschaft ist nichts anderes als primitive Propaganda, ein weiterer Versuch der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, eine Einflussnahme auf persönliche Gewissensentscheidungen einzelner Familien. Mit ungeheurem psychologischem Druck werden hier womöglich Eltern gebrandmarkt und in einen unnötigen Gewissenskonflikt getrieben. Von dem Effekt auf Kindern ganz zu schweigen: Hier wird unschuldigen Kindern vermittelt, dass sie Gott traurig machen können.

Noch mal in langsam: Kinder! Können! Gott! Traurig! Machen! Das ist nichts anderes als seelische Grausamkeit. Kinder sind unschuldige Wesen, die heutzutage ohnehin schon viel zu viel Druck ausgesetzt sind. Unter dem Deckmantel einer amüsanten Toy Story-Geschichte wird mit diesem Video Kindern eingebläut, dass sie Einfluss auf die Launen eines allmächtigen Wesens haben können, und damit auf das Wohl und Wehe der gesamten Welt. In einer Zeit, in der auch für Außenstehende das Ausmaß der Gefahr, die Kinder von Zeugen Jehovas ausgesetzt sind, immer deutlicher wird, in einem Umfeld, in dem von Kindern Missionarstätigkeit und Engagement in der Gemeinde verlangt wird (ie. Kinderarbeit), ist dieser Film vielleicht eine logische Entwicklung – aber als Mitglied der Gesellschaft, als Familienmensch, als Bürger mit gesundem Menschenverstand, ja, als CHRIST kann man nur noch den Kopf schütteln. Mehr denn je müssen wir alles tun, um Kindern in Sekten einen Ausweg zu bieten. Denn: Würde die wahre Religion Kindern Angst machen? Würde ein Gott, der Liebe ist, wie die Bibel sagt, wollen, dass man Kindern Angst einjagt? Wegen eines Spielzeugs? Die Antwort liegt auf der Hand.

Sparlock The Warrior Wizard ist ohne Zweifel ein weiterer Tiefpunkt in der an Tiefpunkten nicht armen Geschichte der Zeugen Jehovas.

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Die Wachtturm-Gesellschaft befürchtet katastrophale finanzielle Konsequenzen

Im Zuge des Candace-Conti-Urteils hat die Wachtturm-Gesellschaft jetzt die Befürchtung geäußert, die Zahlung einer Sicherheit über 17,3 Mio Eur könne sie ernsthaft in die Bredouille bringen:

Now the Society appears to be pleading poverty, implying that it cannot afford to produce the required $17.3 million dollars by way of surety without using property instead of cash. (Quelle)

Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet also, grad nicht ganz so flüssig zu sein und bittet darum, ihre Gebäude als Sicherheiten verwenden zu können. Aus unserer Sicht ist das nichts anderes, als Justizpingpong seitens der Zeugen, und der lahme Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wie dem Rechnungsabschluss der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania vom 31. August 1998 zu entnehmen ist, wurde das Rechnungsjahr 1997/98 mit einem Reinvermögen von über 604 Millionen US-$ eröffnet und mit mehr als 705 Millionen US-$ abgeschlossen – ein Zuwachs von über 100 Mio US-$ innerhalb eines Jahres. Nun mag das nicht repräsentativ für die letzten Jahre sein, viel schlechter dürfte es ihnen aber auch nicht gehen. Insider vermuten, dass die Wachtturm-Gesellschaft primär davon ausgeht, die Berufungsverhandlung zu gewinnen und deshalb Angst hat, das bereits ausgezahlte Geld nicht wieder zurückzubekommen.

Wir sind keine Juristen, das mag alles seine Richtigkeit haben. Aus menschlicher Sicht ist es jedoch nur ein weiterer Beweis, dass die Zeugen Jehovas in einer Liga sind mit der katholischen Kirche, was die Menschenverachtung betrifft.

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Anonymous greift die Wachtturm-Gesellschaft an

Bei youtube hat die Hackergruppe Anonymous im Juli der Wachtturm-Gesellschaft offiziell den Krieg erklärt: In einer arg pathetischen Videobotschaft lassen sie die WT-Gesellschaft wissen, dass auch diese im Rahmen der Operation Pedo Chat ins Visier der Hackergruppe geraten ist. 23.000 Pädophile werden in Reihen der Zeugen vermutet, von denen ein Großteil von der Organisation gedeckt wird.

Nicht zum ersten Mal kritisiert man den Umgang mit Pädophilen und Kindesmissbrauch: Anstatt die Behörden in Kenntnis zu setzen, wird die Angelegenheit in der Regel intern geklärt: Der Beschuldigte wird in eine andere Gemeinde (=Versammlung) versetzt und verliert vielleicht seine Vorrechte, den Eltern und Kindern wird eingetrichtert, Stillschweigen zu bewahren. Wenn es überhaupt soweit kommt: Da es – bis auf das missbrauchte Kind – in der Regel keine Zeugen des Vorfalls gibt, wird auf Basis der Bibelinterpretation, nach der man zwei oder drei Zeugen vorbringen muss, um sein Anliegen zu rechtfertigen, das Verfahren eingestellt. All das, um die Organisation vor Ungemach zu beschützen. Wir können uns noch nicht mal annähernd vorstellen, wie viel Leid wie vielen Kindern bei den Zeugen Jehovas widerfahren ist. Während wir im Rechtsstaat natürlich die Lynchjustiz und Todesstrafenforderungen beispielsweise der NPD ebenso ablehnen, ist das Verhalten der Zeugen Jehovas ein anderes Extrem. wtwatch wünscht Anonymous viel Erfolg bei ihrer Aktion!

Videobotschaft von Anonymous:

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