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Ein Zeugen Jehovas-Watchblog: kritisch, subjektiv, apostatisch

Archiv für die Kategorie “Internet”

Presseschau – Zeugen Jehovas in den Medien (1)

Was berichten die Medien aktuell über Zeugen Jehovas und die Wachtturm-Gesellschaft? Wir haben das Internet gescannt und fassen zusammen. Ein Klick auf die Schlagzeile bringt dich zum Artikel.

Zeuge Jehovas verdächtigt, seine Glaubensschwester ermordet zu haben: In Oregon ist die Leiche der verschwundenen Zeugin Jehovas Whitney H. aus der Gemeinde Gresham in Portland gefunden worden. Jonathan H. wurde als Tatverdächtiger verhaftet – ebenfalls Mitglied der Zeugen Jehovas-Gemeinde und mit dem Opfer und ihrem Mann befreundet:

Vaughn declined to comment on accusations against Holt, who is a Jehovah’s Witness and was acquainted with both the Heichels, possibly through Jehovah’s Witness gatherings, investigators said. Several small congregations of around 100 people each meet at different times in the same Kingdom Hall. (Oregonlive.com)

Mit Prince „von Haus zu Haus“: Larry Graham ist einer der einflussreichsten Bassisten der Welt (u.a. Sly and the Family Stone) und, wie man als aufmerksamer Leser des Erwachets weiß, Zeuge Jehovas. Auf welt.de berichtet er davon, wie er den musikalischen Weltstar Prince bekehrte.

Zeugen Jehovas sind eine Sekte, aber keine Gefahr für die breite Öffentlichkeit: Ein interessantes Interview in der Berner Zeitung mit dem Theologen Matthias Zeindler, der unter anderem die strengen hierarchischen Strukturen und die Dialogunfähigkeit kritisiert, und generell ein sehr realistisches Bild der Glaubensgemeinschaft zeichnet:

„Ich halte es für sinnvoll, dann von Sekten zu sprechen, wenn die persönlichen Entscheidungen stark eingeschränkt werden. Das ist bei den Zeugen Jehovas weitgehend der Fall. Sie lassen bei ihren Mitgliedern kaum eigenes Denken zu und verlangen, dass vorgegebene Wahrheiten akzeptiert werden. Auch was den Ausschluss von abtrünnigen Mitgliedern angeht, sind die Zeugen Jehovas radikal.“ (Berner Zeitung)

Briefkasten der Zeugen Jehovas gesprengt: „Aus Jux und Tollerei“ hat ein Junge mit zwei Chinaböllern den Briefkasten an einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas zerstört. Ob die Wachtturm-Gesellschaft einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem nahenden Ende der Welt sieht, ist nicht bekannt.

Die Verbreitung der Zeugen Jehovas-Zeitschriften bleiben in Russland verboten: Russland bleibt hart – die Verbreitung des Wachtturms und des Erwachets ist illegal. Das höchste Gericht hat eine Berufung abgeschmettert. Interessant – Kläger war der deutsche Zweig der Wachtturm-Gesellschaft:

The religious organization requested to reconsider the ruling, but the Supreme Commercial Court found no grounds for this. (rapsinews.com)

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Der „treue und verständige Sklave“ – Gleichnis oder Prophezeiung?

Die Auslegung von Matthäus 24:45-47 bildet die wichtigste Grundlage der Wachtturm-Theologie.

Auf Bruderinfo.de verfolgen wir eine sehr interessante Diskussion, ausgehend von einem ausführlichen Artikel über die Auslegung des „treuen und verständigen Sklaven“.

Diese ganzen Bemühungen [das Missionswerk, Anm. d. Red.] sind auf eine Illusion gestützt, eine illusionäre Vorstellung, die zum “Grundeckstein” der Wachtturmreligion geworden ist, auf dem alles andere ruht; eine Vorstellung, die das Denken derer beherrscht und kontrolliert, die die Literatur verfassen, aber auch die der Zeugen, die sie lesen.

Ein interessanter Gedankengang: Was, wenn dieser für die Zeugen-Ideologie so wichtige Text keine Prophezeiung, sondern nur ein Gleichnis war? Warum wird der Paralleltext im Lukas-Evangelium nicht hinzugezogen? Stürzt da etwas ein ideologisches Kartenhaus in sich zusammen?

Es scheint so zu sein, das der selbsternannte Sklave, der sich als Mitteilungskanal Gottes positioniert hat, zwar immer wieder spekulative Daten nennt, wann der Herr kommt oder gekommen sein soll, aber in seinem Herzen selbst nicht daran glaubt.

Ein kluger, sehr lesenswerter Artikel, was genauso für die im Kommentarbereich entstandene Diskussion gilt. wtwatch empfiehlt: Das „Gleichnis“ vom „treuen und klugen“ Sklaven auf Bruderinfo.

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Sparlock The Warrior Wizard, oder: Der erste Zeugen-Jehovas-Shitstorm des neuen Jahrzehnts


Wer im Sommer einen Bezirkskongress der Zeugen Jehovas besucht hat, wird ihn bereits kennen: Sparlock The Warrior Wizard, ein Animationsfilm für Kinder über die Gefahr eines Zauberspielzeugs! Was die Leitende Körperschaft offensichtlich für eine ziemlich gute Idee hielt, hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem regelrechten Shitstorm entwickelt. Damit hat die Wachtturm-Gesellschaft, der DFB der Zeugen Jehovas, die wiederum die DFL der Wachtturm-Gesellschaft darstellen, gleich zwei Dinge erreicht: Sie haben ihr erstes Animationsvideo produziert und sind endgültig im Internet-Zeitalter angekommen.

Wer oder was ist Sparlock?

Sparlock ist ein Animationsfilm der Zeugen Jehovas, Prädikat: Pädagogisch grauenvoll. Im englischsprachigen Raum ergießt sich bereits Spott über die Leitende Körperschaft, man munkelt sogar, dass Sparlock, der berühmteste Zeuge Jehovas der Welt, demnächst eine Gastrolle bei den Simpsons bekommt! Aber wer ist Sparlock denn nun genau?

Sparlock The Warrior Wizard is an unlikely hero. He was invented by a religion who thinks plastic „magical“ toys are evil and should be thrown away. To reinforce this view, they produced a video where a young boy is guilted into throwing away a Sparlock action figure. This video went viral on the Internet before it was taken down due to a copyright complaint by the Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania. This just caused new videos to spring up that included commentary and are at least theoretically protected under fair use. (Quelle)

Kurz: Sparlock ist eine Spielfigur, ein Zaubererkrieger, was die Zeugen halt unter World of Warcraft verstehen, ohne es je gespielt zu haben. Der kleine Caleb bringt Sparlock von der Schule mit nach Hause. Seine Mama ist entsetzt: Zauberei im Haus! Das wird Jehova gar nicht gut finden! Oh la la! Was danach kommt, ist die übliche Hetzpropaganda gegen alles, was nicht auf Zeugenlinie ist: Zauberei, selbst in Form eines harmlosen Spielzeugs, wird von Gott abgelehnt, deshalb muss Caleb das Spielzeug… Nein, wir wollen nicht spoilern. Wir empfehlen unseren Lesern, den nächsten Königreichsaal aufzusuchen und ein kostenloses Exemplar dieses Meisterwerks, dass selbst Uwe Boll scheiße fänd, abzustauben.

Das Ganze ist natürlich furchtbar schlecht, gerade mal ein Jota besser animiert als Slender, inhaltlich so hanebüchen, dass man kaum glauben kann, dass acht erwachsene Menschen (=die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas) diesen Wahnsinn tatsächlich abgesegnet haben. Andererseits waren wir von wtwatch lang genug dabei. Aber selbst uns kann man immer noch überraschen.

Das ist für uns erwachsene Ex-Zeugen und Außenstehende alles ein Riesenspaß, auch wir in der wtwatch-Redaktion haben sehr gelacht. Aber leider ist die Kehrseite der Medaille unfassbar traurig.

Die traurigen Fakten

Dieser neue geistige Erguss der Leitenden Körperschaft ist nichts anderes als primitive Propaganda, ein weiterer Versuch der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, eine Einflussnahme auf persönliche Gewissensentscheidungen einzelner Familien. Mit ungeheurem psychologischem Druck werden hier womöglich Eltern gebrandmarkt und in einen unnötigen Gewissenskonflikt getrieben. Von dem Effekt auf Kindern ganz zu schweigen: Hier wird unschuldigen Kindern vermittelt, dass sie Gott traurig machen können.

Noch mal in langsam: Kinder! Können! Gott! Traurig! Machen! Das ist nichts anderes als seelische Grausamkeit. Kinder sind unschuldige Wesen, die heutzutage ohnehin schon viel zu viel Druck ausgesetzt sind. Unter dem Deckmantel einer amüsanten Toy Story-Geschichte wird mit diesem Video Kindern eingebläut, dass sie Einfluss auf die Launen eines allmächtigen Wesens haben können, und damit auf das Wohl und Wehe der gesamten Welt. In einer Zeit, in der auch für Außenstehende das Ausmaß der Gefahr, die Kinder von Zeugen Jehovas ausgesetzt sind, immer deutlicher wird, in einem Umfeld, in dem von Kindern Missionarstätigkeit und Engagement in der Gemeinde verlangt wird (ie. Kinderarbeit), ist dieser Film vielleicht eine logische Entwicklung – aber als Mitglied der Gesellschaft, als Familienmensch, als Bürger mit gesundem Menschenverstand, ja, als CHRIST kann man nur noch den Kopf schütteln. Mehr denn je müssen wir alles tun, um Kindern in Sekten einen Ausweg zu bieten. Denn: Würde die wahre Religion Kindern Angst machen? Würde ein Gott, der Liebe ist, wie die Bibel sagt, wollen, dass man Kindern Angst einjagt? Wegen eines Spielzeugs? Die Antwort liegt auf der Hand.

Sparlock The Warrior Wizard ist ohne Zweifel ein weiterer Tiefpunkt in der an Tiefpunkten nicht armen Geschichte der Zeugen Jehovas.

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Verkündiger 2.0: Jehovas Zeugen jetzt „Bibellehrer“?

Als wir von wtwatch noch treue Zeugen Jehovas waren, hießen wir „Verkündiger“, kurz für „Verkündiger der guten Botschaft“. Beim routinemäßigen Scannen der Website der Zeugen Jehovas fiel uns dann Folgendes auf:

Auf der Startseite unter dem großen Teaserbild wird bei der Länderinfo nicht mehr von Verkündigern (wie es früher in den Jahrbüchern Usus war) gesprochen, sondern von „Bibellehrern“. Ist das offizielles neues Zeugensprech? Ist der Verkündiger aufgewertet worden zum Bibellehrer? Um sachdienliche Hinweise in den Kommentaren oder per Mail sind wir dankbar.

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Anonymous greift die Wachtturm-Gesellschaft an

Bei youtube hat die Hackergruppe Anonymous im Juli der Wachtturm-Gesellschaft offiziell den Krieg erklärt: In einer arg pathetischen Videobotschaft lassen sie die WT-Gesellschaft wissen, dass auch diese im Rahmen der Operation Pedo Chat ins Visier der Hackergruppe geraten ist. 23.000 Pädophile werden in Reihen der Zeugen vermutet, von denen ein Großteil von der Organisation gedeckt wird.

Nicht zum ersten Mal kritisiert man den Umgang mit Pädophilen und Kindesmissbrauch: Anstatt die Behörden in Kenntnis zu setzen, wird die Angelegenheit in der Regel intern geklärt: Der Beschuldigte wird in eine andere Gemeinde (=Versammlung) versetzt und verliert vielleicht seine Vorrechte, den Eltern und Kindern wird eingetrichtert, Stillschweigen zu bewahren. Wenn es überhaupt soweit kommt: Da es – bis auf das missbrauchte Kind – in der Regel keine Zeugen des Vorfalls gibt, wird auf Basis der Bibelinterpretation, nach der man zwei oder drei Zeugen vorbringen muss, um sein Anliegen zu rechtfertigen, das Verfahren eingestellt. All das, um die Organisation vor Ungemach zu beschützen. Wir können uns noch nicht mal annähernd vorstellen, wie viel Leid wie vielen Kindern bei den Zeugen Jehovas widerfahren ist. Während wir im Rechtsstaat natürlich die Lynchjustiz und Todesstrafenforderungen beispielsweise der NPD ebenso ablehnen, ist das Verhalten der Zeugen Jehovas ein anderes Extrem. wtwatch wünscht Anonymous viel Erfolg bei ihrer Aktion!

Videobotschaft von Anonymous:

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