wachtturmwatch

Ein Zeugen Jehovas-Watchblog: kritisch, subjektiv, apostatisch

„Eigentlich sind die ja ganz nett“

Wenn man als ehemaliger Zeuge Jehovas mit Menschen, die nie Zeugen Jehovas waren, über die Zeugen Jehovas redet, trifft man meistens auf eine der folgenden drei Reaktionen: Völlige Unwissenheit, Ablehnung des Glaubens oder die Zwischenstufe, die wir „gefährliches Halbwissen“ nennen möchten. Sie äußert sich dadurch, dass der/die Betroffene einen Arbeitskollegen/Kumpel/Schüler/Schulkameraden/etc. hat, der Zeuge und „eigentlich ganz nett“ ist.

Und ja, das stimmt. Ein Großteil der Zeugen Jehovas sind sehr höfliche und umgängliche Menschen, mit denen man gern zusammenarbeitet. Sie sind großartige Nachbarn, denen man getrost die Wohnung und das Haustier während des Urlaubs anvertrauen kann, sie sind ehrliche Arbeitnehmer, die ihrem Arbeitgeber immer gewissenhaft zu Diensten sein werden, sie zahlen Steuern, engagieren sich in vielen Ländern sozial und in den seltensten Fällen wird jemand unter Alkoholeinfluss von einem Zeugen überfahren werden.

Auch wir haben nichts gegen unsere Glaubensgeschwister. Wir hadern nicht mit einzelnen Menschen, sondern mit einer Ideologie. Während unserer Zeit bei den Zeugen haben wir großartige Menschen kennengelernt, viele sind zu sehr guten Freunden geworden, Freunde, mit denen man Urlaube verbrachte, für die man da war und umgekehrt. Was diese Freundschaft allerdings wert war, erfuhren wir an dem Tag, als wir beschlossen, unseren eigenen Weg zu gehen: Nichts. Menschen, mit denen man Jahre gemeinsam verbrachte, mit denen man Erinnerungen teilte, Freud und Leid, wollen von einem Tag auf den anderen nichts mehr mit einem zu tun haben. Und nicht nur die: Selbst engste Familienmitglieder wenden sich von einem ab, auf Basis kruder biblischer Prinzipien.

Ja, Zeugen Jehovas sind in der Regel freundliche, tolle Menschen. Was daran liegt, dass die Verbreitung der „guten Botschaft“ (=die Lehre der Zeugen Jehovas) einziges Lebensziel eines Zeugen ist. Zwar soll man den Umgang mit „Weltmenschen“ auf ein Minimum reduzieren, es wird aber jedem Zeugen empfohlen, ein respektvolles Verhältnis zu seinem „weltlichen“ Umfeld zu pflegen, um die Chance zu haben, dieses Umfeld mit der guten Botschaft zu versorgen. Die Freundlichkeit der Zeugen entspringt zwar durchaus einer inneren Einstellung – „Liebe deinen Nächsten“ –, sie ist aber gleichermaßen ein trojanisches Pferd. Mit einem einzigen Zweck. Deine Bekehrung. Das sollte man niemals vergessen. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass der freundliche Arbeitskollege, der zwar ein „Zeuge Jehovas, aber eigentlich ganz nett“ ist, womöglich sein Kind im Stich gelassen hat, die Meinungsfreiheit missachtet und im Zweifel seine Freundschaft sofort und ohne mit der Wimper zu zucken opfern würde.

Uns interessiert deine Meinung – was sagst du dazu? Bitte teile uns deine Gedanken in den Kommentaren mit!

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7 Gedanken zu „„Eigentlich sind die ja ganz nett“

  1. Das ist doch genau das Problem. Die breite Öffentlichkeit hat kaum wirklich nennenswerte Angriffspunkte, die die Zeugen Jehovas als gefährliche Sekte enttarnen.

    Die Missionierung ist nervtötend, das Verbieten der ganzen Feste macht sie zu Langweilern (ganz zu schweigen, was man den Kindern damit vorenthält)…
    Sex und Moral… nunja… schweigen wir uns da aus.

    Das Verweigern von Bluttransfusionen, vor allem bei Kindern ist seit längerem bekannt und lockt auch nicht mehr die Wurst vom Brot (auch wenn es definitiv(!!!) unmenschlich ist).

    Die Zeugen lernen, wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren müssen. Nur so konnten sie auch in vielen Bundesländern zur Körperschaft des öffentlichen Rechts ernannt werden.

    Die anderen von euch genannten Punkte sind der Öffentlichkeit noch gar nicht so bewusst, wie es erforderlich wäre.

  2. walde sagte am :

    „Einziges Lebensziel“ eines Zeugen soll die Verbreitung der „guten Botschaft sein? Das ist gelinde gesagt: Humbug. Jeder Zeuge hat natürlich auch noch ein Leben als Arbeitnehmer/-geber, Familienvater, Hausbesitzer, die meistern Zeugen haben irgendein Hobby, feinern gern und versuchen sich auch sonst ihres Lebens soweit es geht zu erfreuen. Dazu benötigt man natürlich auch Zeit!! Was soll der Unsinn von einigen wenigen auf alle zu schliessen. Natürlich gibt es Zeugen die zu 100% Einsatz für ihre Weltanschauung bringen. Das gibt es aber auch in Firmen, wenn ein Manager 14 Stunden am Tag für Geld arbeitet. Nur alle anderen hart arbeitenden Menschen werden hier nicht angegriffen…

    • Es mang vielleicht etwas übertrieben formuliert sein, dass „einziges Lebensziel“ eines Zeugen das Predigtwerk sein soll.
      Und doch finden sich immer wieder Hinweise in den Publikationen, in denen Jugendliche dazu ermuntert werden, lieber in den Pionierdienst zu gehen, als eine höhere Bildung anzustreben.
      Prinzipiell dreht sich bei den Zeugen Jehovas ALLES um das „Zeugnis geben“. Auf den Kongressen (speziell die Bezirkskongresse), wurde bisher immer auf das Tragen der Plakette hingewiesen. Während man also im Restaurant sitzt…. zwei oder drei Stunden nach Beendigung des Programmes, dann hat man gefälligst mit seiner Kleidung, seinem Benehmen und mit dem Tragen der Plakette Zeugnis abzugeben!

      • WWTLFE sagte am :

        Nicht nur Jugendliche sollen Zeugnis geben ! Lest mal „Lerne von dem großen Lehrer“. Dieses Buch enthält über 20 Stellen, in denen Kinder aufgefordert werden, für die WTG predigen zu gehen. Sogar beim Spielen sollen sie ihren Kameraden erzählen, was sie in diesem Buch gelesen haben. Ständig sollen sie erzählen, was sie „schönes“ gelernt haben.

  3. Liebe(r) Walde, Sie haben sich offensichtlich, Ihr Kommentar lässt darauf schließen, nicht intensiv mit den Zeugen und ihren Schriften auseinandergesetzt. Sonst wüssten Sie, dass Arbeit, Familie, Besitz für einen wahren Zeugen bloß Mittel zum Zweck sein sollte – man soll jede freie Minute mit Bibelstudium, Verkündigung der guten Botschaft, Versammlungsbesuchen etc. verbringen. Das wird von oben gepredigt, und das wird vielerorts gelebt.

    Außerdem ging es im Posting um etwas anderes: Zeugen Jehovas werden angehalten, keinen übermäßigen Kontakt zu Weltmenschen zu pflegen. Und der wenige Kontakt soll dazu genutzt werden, Menschen für die Lehren der Zeugen zu interessieren. Deshalb sollte sich niemand von der Freundlichkeit täuschen lassen. Wie Sie unserem Artikel entnehmen können, erkennen wir durchaus an, dass Zeugen Jehovas in der Regel freundliche, umgängliche Menschen sind.

    Und die Kritik, dass wir hier nur Zeugen „hart angreifen“ und nicht alle Arbeitnehmer ist nun mal der Tatsache geschuldet, dass es in diesem Blog um Zeugen Jehovas und nicht um alle Arbeitnehmer geht.

  4. Ganz nett zu sein sein, bedeutet eigentlich gar nichts. Auch andere Menschen sind meistens ganz nett. Nett zu sein wird quasi als religiöse Pflichtübung bei den meisten Religionsorganisationen als Missionsmethode vorausgesetzt. Nett sein ist kein Beweis für theologische Wahrhaftigkeit. Sogar Jesus war alles andere als nett. Liest man die Briefe des Petrus, fällt es schwer zu glauben, dass der Fels, auf dem Jesus seine Herausgerufene Versammlung (Ecclesia =Kirche) bauen wollte, ein „netter Bursche“ war. Der Wachtturm-Comic-„Jesus“ ist eine religiöse Mickey Mouse. Herausgeputzt und lieb gemacht für politisch, religiös und all zu empfindsame, zurechtgestutzte, Gutmenschen.

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