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Ein Zeugen Jehovas-Watchblog: kritisch, subjektiv, apostatisch

Presseschau – Zeugen Jehovas in den Medien (1)

Was berichten die Medien aktuell über Zeugen Jehovas und die Wachtturm-Gesellschaft? Wir haben das Internet gescannt und fassen zusammen. Ein Klick auf die Schlagzeile bringt dich zum Artikel.

Zeuge Jehovas verdächtigt, seine Glaubensschwester ermordet zu haben: In Oregon ist die Leiche der verschwundenen Zeugin Jehovas Whitney H. aus der Gemeinde Gresham in Portland gefunden worden. Jonathan H. wurde als Tatverdächtiger verhaftet – ebenfalls Mitglied der Zeugen Jehovas-Gemeinde und mit dem Opfer und ihrem Mann befreundet:

Vaughn declined to comment on accusations against Holt, who is a Jehovah’s Witness and was acquainted with both the Heichels, possibly through Jehovah’s Witness gatherings, investigators said. Several small congregations of around 100 people each meet at different times in the same Kingdom Hall. (Oregonlive.com)

Mit Prince „von Haus zu Haus“: Larry Graham ist einer der einflussreichsten Bassisten der Welt (u.a. Sly and the Family Stone) und, wie man als aufmerksamer Leser des Erwachets weiß, Zeuge Jehovas. Auf welt.de berichtet er davon, wie er den musikalischen Weltstar Prince bekehrte.

Zeugen Jehovas sind eine Sekte, aber keine Gefahr für die breite Öffentlichkeit: Ein interessantes Interview in der Berner Zeitung mit dem Theologen Matthias Zeindler, der unter anderem die strengen hierarchischen Strukturen und die Dialogunfähigkeit kritisiert, und generell ein sehr realistisches Bild der Glaubensgemeinschaft zeichnet:

„Ich halte es für sinnvoll, dann von Sekten zu sprechen, wenn die persönlichen Entscheidungen stark eingeschränkt werden. Das ist bei den Zeugen Jehovas weitgehend der Fall. Sie lassen bei ihren Mitgliedern kaum eigenes Denken zu und verlangen, dass vorgegebene Wahrheiten akzeptiert werden. Auch was den Ausschluss von abtrünnigen Mitgliedern angeht, sind die Zeugen Jehovas radikal.“ (Berner Zeitung)

Briefkasten der Zeugen Jehovas gesprengt: „Aus Jux und Tollerei“ hat ein Junge mit zwei Chinaböllern den Briefkasten an einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas zerstört. Ob die Wachtturm-Gesellschaft einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem nahenden Ende der Welt sieht, ist nicht bekannt.

Die Verbreitung der Zeugen Jehovas-Zeitschriften bleiben in Russland verboten: Russland bleibt hart – die Verbreitung des Wachtturms und des Erwachets ist illegal. Das höchste Gericht hat eine Berufung abgeschmettert. Interessant – Kläger war der deutsche Zweig der Wachtturm-Gesellschaft:

The religious organization requested to reconsider the ruling, but the Supreme Commercial Court found no grounds for this. (rapsinews.com)

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Der „treue und verständige Sklave“ – Gleichnis oder Prophezeiung?

Die Auslegung von Matthäus 24:45-47 bildet die wichtigste Grundlage der Wachtturm-Theologie.

Auf Bruderinfo.de verfolgen wir eine sehr interessante Diskussion, ausgehend von einem ausführlichen Artikel über die Auslegung des „treuen und verständigen Sklaven“.

Diese ganzen Bemühungen [das Missionswerk, Anm. d. Red.] sind auf eine Illusion gestützt, eine illusionäre Vorstellung, die zum “Grundeckstein” der Wachtturmreligion geworden ist, auf dem alles andere ruht; eine Vorstellung, die das Denken derer beherrscht und kontrolliert, die die Literatur verfassen, aber auch die der Zeugen, die sie lesen.

Ein interessanter Gedankengang: Was, wenn dieser für die Zeugen-Ideologie so wichtige Text keine Prophezeiung, sondern nur ein Gleichnis war? Warum wird der Paralleltext im Lukas-Evangelium nicht hinzugezogen? Stürzt da etwas ein ideologisches Kartenhaus in sich zusammen?

Es scheint so zu sein, das der selbsternannte Sklave, der sich als Mitteilungskanal Gottes positioniert hat, zwar immer wieder spekulative Daten nennt, wann der Herr kommt oder gekommen sein soll, aber in seinem Herzen selbst nicht daran glaubt.

Ein kluger, sehr lesenswerter Artikel, was genauso für die im Kommentarbereich entstandene Diskussion gilt. wtwatch empfiehlt: Das „Gleichnis“ vom „treuen und klugen“ Sklaven auf Bruderinfo.

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Zeugin Jehovas stirbt an den Folgen einer verweigerten Bluttransfusion

Wie am 25. Oktober 2012 bekannt wurde, ist eine Zeugin Jehovas aus West Kansas verstorben. Der Kansas City Star berichtet in seiner Web-Präsenz, dass das 66jährige Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, hatte an einer primären biliären Zirrhose gelitten und benötigte dringend eine Spenderleber. Sie verweigerte sich allerdings der Lebertransplantation aufgrund der benötigten Bluttransfusion und forderte eine Operation Nebraska. Der Staat argumentierte dagegen: Eine religiöse Einstellung sollte nicht die Kosten und damit die Versicherungssumme einer Operation beeinflussen.

S. refused to undergo a liver transplant at the University of Kansas Hospital because she would need a blood transfusion – something she couldn’t accept as a Jehovah’s Witness. She wanted to receive a special bloodless transplant in Nebraska instead.

State officials had argued in court that there was no medical necessity for a bloodless transplant, and that her religious preference shouldn’t determine insurance coverage. (Read more here: http://www.kansascity.com/2012/10/25/3884805/woman-dies-who-needed-bloodless.html#storylink=cpy)

Letztendlich lenkte der Staat ein. Es war jedoch zu spät: Der Zustand der Zeugin hatte sich soweit verschlechtert, dass sie für eine Transplantation nicht mehr in Frage kam. Sie verstarb. Sie hinterlässt einen Mann, sechs Kinder und 24 Enkel.

Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Dame, und das auch nur mit Einschränkung: Schließlich hat man sehenden Auges in den Tod geblickt, darüber hinaus haben die Zeugen Jehovas die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Sie glauben also an ein Wiedersehen. Aus ZJ-Sicht ist die Trauer nur für die Hinterbliebenen angebracht. Die Verstorbene ist bereits jetzt mit anderthalb Füßen im Paradies.

Allerdings erfüllt es uns mit tiefer, ehrlicher Trauer, dass ein weiterer Mensch aufgrund von religiösem Fundamentalismus unnötig sterben musste.

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In eigener Sache

Knapp einen Monat ist wtwatch jetzt online. Und wir möchten die Gelegenheit nutzen, um uns für eure Besuche und eure ersten Rückmeldungen zu bedanken. Unser Blog soll keine selbstherrliche Meinungsmache werden, der Diskurs keine Einbahnstraße, wenngleich wir natürlich auch weiterhin subjektiv zu wichtigen Themen Stellung nehmen möchten. Meinung ist wichtig – die Form aber auch. Deshalb nehmen wir euer Feedback sehr ernst und möchten auf einige Punkte eingehen:

Kritisiert wurde unter anderem der etwas, nennen wir es, martialische Ton unserer Selbstbeschreibung. Das stimmt. Als ein Besucher dies bei Facebook ansprach haben wir unsere Beschreibung noch mal kritisch überdacht und geben zu, dass wir in der Hinsicht übers Ziel hinausgeschossen sind, keine Frage. Eine übertriebene Formulierung haben wir dahingehend überarbeitet. Wir freuen uns über den Hinweis, bitte bleibt an dieser Sache dran, denn: Wir sind alle keine Medienprofis. Wir sind durch die Bank Arbeitnehmer, die diese Seite in ihrer Freizeit betreiben. Manche von uns können mehr leisten, andere weniger. Wir bitten um Verständnis, dass wir nicht auf Anhieb die perfekten Artikel auf die Beine stellen können. Aber wir arbeiten daran und an uns.

Was uns zu einem weiteren Punkt führt: Es wurde eine objektive, beinahe Nachrichten-ähnliche Berichterstattung gewünscht. Wir sind uns nicht sicher, ob wir diesen Wunsch zufriedenstellend erfüllen können und wollen. Wir haben nicht den Anspruch, eine Tagesschau für ZJ-Themen zu werden. Unser Anliegen ist eine kritische Auseinandersetzung, und die wird auch emotional geführt werden. Das wollen wir auch. Wir können nun mal nicht leugnen, wer wir sind: Betroffene. Wie die meisten unserer Leser. Insofern ist eine objektive Betrachtung schwierig. Bitte versteht, dass wir deshalb auch zukünftig immer mal wieder über die Strenge schlagen werden, sind dann aber im Gegenzug natürlich offen für Kritik. Bitte verschont uns nicht, denn nur so können wir besser werden. Also: Sprecht uns auf unsere Fehler an.

Dennoch: Wir richten uns nicht primär an noch aktive Zeugen. Wir haben gar nicht vor, eine objektive Diskussion vorzutäuschen, um aktive Zeugen einzulullen, um sie dann zu überzeugen. Wir sind überzeugt, dass es für uns via Blog keine Möglichkeit gibt, die Gehirnwäsche zu durchbrechen. Jeder muss für sich selbst ins Zweifeln kommen und erst ab der Stelle können verschiedene Medien greifen, seien es englischsprachige Seiten oder wir. (Den entsprechenden Passus haben wir deshalb auch aus unserer Seite gelöscht). Unser Zielpublikum besteht hauptsächlich aus ehemaligen Zeugen, die sich informieren und austauschen wollen. Deshalb wollen wir regelmäßig berichten, was auf den amerikanischen Seiten passiert, zusammenfassen, bewerten, analysieren. Und selbstverständlich auch mit eigenen Themen aufwarten, und die dürfen und sollen kontrovers sein. Und: wir freuen uns immer über Themenvorschläge.

Ein Wort zur kritisierten Anonymität: Ja. Verstehen wir. Klarnamen und Adresse im Impressum fänden wir auch großartig. Aus verschiedenen Gründen halten wir diesen Weg aber für angemessener. Unter anderem haben wir mit Mitglieder in der Gruppe mit Angehörigen, die noch in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen sind. Diese Angehörigen gehen sehr respektvoll mit unserer Nicht-ZJ-Freundin um, und deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir an der Stelle dafür sorgen möchten, dass jene Angehörigen keine Repressalien fürchten müssen. Wir wissen selbst, wie furchtbar der psychologische Druck seitens der Wachtturm-Gesellschaft sein kann.

Abschließend noch mal ein Danke für eure Rückmeldungen. Wir freuen uns sehr und wir hoffen, dass ihr uns weiterhin begleitet. Wenn ihr noch Fragen habt – her damit!

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„Eigentlich sind die ja ganz nett“

Wenn man als ehemaliger Zeuge Jehovas mit Menschen, die nie Zeugen Jehovas waren, über die Zeugen Jehovas redet, trifft man meistens auf eine der folgenden drei Reaktionen: Völlige Unwissenheit, Ablehnung des Glaubens oder die Zwischenstufe, die wir „gefährliches Halbwissen“ nennen möchten. Sie äußert sich dadurch, dass der/die Betroffene einen Arbeitskollegen/Kumpel/Schüler/Schulkameraden/etc. hat, der Zeuge und „eigentlich ganz nett“ ist.

Und ja, das stimmt. Ein Großteil der Zeugen Jehovas sind sehr höfliche und umgängliche Menschen, mit denen man gern zusammenarbeitet. Sie sind großartige Nachbarn, denen man getrost die Wohnung und das Haustier während des Urlaubs anvertrauen kann, sie sind ehrliche Arbeitnehmer, die ihrem Arbeitgeber immer gewissenhaft zu Diensten sein werden, sie zahlen Steuern, engagieren sich in vielen Ländern sozial und in den seltensten Fällen wird jemand unter Alkoholeinfluss von einem Zeugen überfahren werden.

Auch wir haben nichts gegen unsere Glaubensgeschwister. Wir hadern nicht mit einzelnen Menschen, sondern mit einer Ideologie. Während unserer Zeit bei den Zeugen haben wir großartige Menschen kennengelernt, viele sind zu sehr guten Freunden geworden, Freunde, mit denen man Urlaube verbrachte, für die man da war und umgekehrt. Was diese Freundschaft allerdings wert war, erfuhren wir an dem Tag, als wir beschlossen, unseren eigenen Weg zu gehen: Nichts. Menschen, mit denen man Jahre gemeinsam verbrachte, mit denen man Erinnerungen teilte, Freud und Leid, wollen von einem Tag auf den anderen nichts mehr mit einem zu tun haben. Und nicht nur die: Selbst engste Familienmitglieder wenden sich von einem ab, auf Basis kruder biblischer Prinzipien.

Ja, Zeugen Jehovas sind in der Regel freundliche, tolle Menschen. Was daran liegt, dass die Verbreitung der „guten Botschaft“ (=die Lehre der Zeugen Jehovas) einziges Lebensziel eines Zeugen ist. Zwar soll man den Umgang mit „Weltmenschen“ auf ein Minimum reduzieren, es wird aber jedem Zeugen empfohlen, ein respektvolles Verhältnis zu seinem „weltlichen“ Umfeld zu pflegen, um die Chance zu haben, dieses Umfeld mit der guten Botschaft zu versorgen. Die Freundlichkeit der Zeugen entspringt zwar durchaus einer inneren Einstellung – „Liebe deinen Nächsten“ –, sie ist aber gleichermaßen ein trojanisches Pferd. Mit einem einzigen Zweck. Deine Bekehrung. Das sollte man niemals vergessen. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass der freundliche Arbeitskollege, der zwar ein „Zeuge Jehovas, aber eigentlich ganz nett“ ist, womöglich sein Kind im Stich gelassen hat, die Meinungsfreiheit missachtet und im Zweifel seine Freundschaft sofort und ohne mit der Wimper zu zucken opfern würde.

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Warum das „neue Licht“ der Leitenden Körperschaft ein Schlag ins Gesicht aller Zeugen ist

Am 6. Oktober 2012 veröffentliche die sogenannte Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas, die offizielle Instanz für alle Glaubensfragen, neue Erkenntnisse bezüglich des „treuen und verständigen Sklaven“. Diese kommen einer Revolution gleich. Warum diese Entwicklung so einschneidend ist, was die Beweggründe sein könnten und weshalb dieser Angriff auf die eigenen Glaubensgeschwister die Organisation wohl kaum in ihren Grundfesten erschüttern wird.

Es ist schon sehr viel geschrieben worden bezüglich des „neuen Lichts“. Hier die Kurzfassung:

Der „treue und verständige Sklave“ (=Gottes irdisches Werkzeug, um seine Anbeter mit Informationen zu versorgen) ist nicht, wie jahrzehntelang gelehrt, der irdische Überrest der Gesalbten in seiner Gesamtheit (= Glaubensgeschwister mit himmlischer Hoffnung, von Gott ausgesucht, nach dem Tod mit ihm im Himmel zu dienen), sondern ausschließlich die sogenannte Leitende Körperschaft, eine Gruppe von Männern mit Sitz in Brooklyn, die für die Glaubenslehre der Zeugen Jehovas verantwortlich zeichnet. (Seriöse Quelle: Mitschrift und Protokoll des „Annual Meetings“ der leitenden Körperschaft)

BUMMS! Ein integraler Bestandteil der Glaubenslehre, das, was wir als ehemalige Zeugen, teils im Glauben aufgewachsen, mit der Muttermilch eingetrichtert bekommen haben – einfach weg. Nun wundert uns Abtrünnige, Ausgeschlossene und interessierte Zweifler gar nichts mehr. Immer dann, wenn die Wachtturm-Gesellschaft in Erklärungsnot kam, gab es ein neues Licht, zuletzt mit dem Eingeständnis, jetzt überhaupt gar nicht mehr zu wissen, wann und wo und wie Armageddon da sein wird.

Warum das „neue Licht“ ein Schlag ins Gesicht ist

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Breaking News: Armageddon verschoben

Nachdem weder das Jahr 1975 oder wie sie alle hießen das herbeigesehnte Ende brachten, ist es wenig überraschend, dass auch für 2012 Armageddon unwahrscheinlicher wird. So interpretieren wir zumindest die Mittelung auf Seite 8 des Januar 2013-Wachtturms:

So viel Ehrlichkeit ist erstmal erfrischend – bis man kurz darüber nachdenkt, dass der unfassbaren Ausdauer der treuen Zeugen und der vielleicht damit verbundenen Enttäuschung (immerhin steht das „Ende“ seit nunmehr fast 100 Jahren unmittelbar bevor) gerade mal ein aufgemotzter Zweizeiler gewidmet wird. Das zeigt einerseits, dass man die immer weiter bröckelnde Hinhaltetaktik der Wachtturm-Gesellschaft so gut es geht, ohne viel Aufhebens, verschleiern möchte, andererseits, dass es immer offensichtlicher wird, dass die „Leitende Körperschaft“ keinen blassen Schimmer hat, was sie da eigentlich tut. Ein beruhigender Gedanke für uns Ehemalige und weitere Gewissheit, das Richtige getan zu haben.

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Sparlock The Warrior Wizard, oder: Der erste Zeugen-Jehovas-Shitstorm des neuen Jahrzehnts


Wer im Sommer einen Bezirkskongress der Zeugen Jehovas besucht hat, wird ihn bereits kennen: Sparlock The Warrior Wizard, ein Animationsfilm für Kinder über die Gefahr eines Zauberspielzeugs! Was die Leitende Körperschaft offensichtlich für eine ziemlich gute Idee hielt, hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem regelrechten Shitstorm entwickelt. Damit hat die Wachtturm-Gesellschaft, der DFB der Zeugen Jehovas, die wiederum die DFL der Wachtturm-Gesellschaft darstellen, gleich zwei Dinge erreicht: Sie haben ihr erstes Animationsvideo produziert und sind endgültig im Internet-Zeitalter angekommen.

Wer oder was ist Sparlock?

Sparlock ist ein Animationsfilm der Zeugen Jehovas, Prädikat: Pädagogisch grauenvoll. Im englischsprachigen Raum ergießt sich bereits Spott über die Leitende Körperschaft, man munkelt sogar, dass Sparlock, der berühmteste Zeuge Jehovas der Welt, demnächst eine Gastrolle bei den Simpsons bekommt! Aber wer ist Sparlock denn nun genau?

Sparlock The Warrior Wizard is an unlikely hero. He was invented by a religion who thinks plastic „magical“ toys are evil and should be thrown away. To reinforce this view, they produced a video where a young boy is guilted into throwing away a Sparlock action figure. This video went viral on the Internet before it was taken down due to a copyright complaint by the Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania. This just caused new videos to spring up that included commentary and are at least theoretically protected under fair use. (Quelle)

Kurz: Sparlock ist eine Spielfigur, ein Zaubererkrieger, was die Zeugen halt unter World of Warcraft verstehen, ohne es je gespielt zu haben. Der kleine Caleb bringt Sparlock von der Schule mit nach Hause. Seine Mama ist entsetzt: Zauberei im Haus! Das wird Jehova gar nicht gut finden! Oh la la! Was danach kommt, ist die übliche Hetzpropaganda gegen alles, was nicht auf Zeugenlinie ist: Zauberei, selbst in Form eines harmlosen Spielzeugs, wird von Gott abgelehnt, deshalb muss Caleb das Spielzeug… Nein, wir wollen nicht spoilern. Wir empfehlen unseren Lesern, den nächsten Königreichsaal aufzusuchen und ein kostenloses Exemplar dieses Meisterwerks, dass selbst Uwe Boll scheiße fänd, abzustauben.

Das Ganze ist natürlich furchtbar schlecht, gerade mal ein Jota besser animiert als Slender, inhaltlich so hanebüchen, dass man kaum glauben kann, dass acht erwachsene Menschen (=die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas) diesen Wahnsinn tatsächlich abgesegnet haben. Andererseits waren wir von wtwatch lang genug dabei. Aber selbst uns kann man immer noch überraschen.

Das ist für uns erwachsene Ex-Zeugen und Außenstehende alles ein Riesenspaß, auch wir in der wtwatch-Redaktion haben sehr gelacht. Aber leider ist die Kehrseite der Medaille unfassbar traurig.

Die traurigen Fakten

Dieser neue geistige Erguss der Leitenden Körperschaft ist nichts anderes als primitive Propaganda, ein weiterer Versuch der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, eine Einflussnahme auf persönliche Gewissensentscheidungen einzelner Familien. Mit ungeheurem psychologischem Druck werden hier womöglich Eltern gebrandmarkt und in einen unnötigen Gewissenskonflikt getrieben. Von dem Effekt auf Kindern ganz zu schweigen: Hier wird unschuldigen Kindern vermittelt, dass sie Gott traurig machen können.

Noch mal in langsam: Kinder! Können! Gott! Traurig! Machen! Das ist nichts anderes als seelische Grausamkeit. Kinder sind unschuldige Wesen, die heutzutage ohnehin schon viel zu viel Druck ausgesetzt sind. Unter dem Deckmantel einer amüsanten Toy Story-Geschichte wird mit diesem Video Kindern eingebläut, dass sie Einfluss auf die Launen eines allmächtigen Wesens haben können, und damit auf das Wohl und Wehe der gesamten Welt. In einer Zeit, in der auch für Außenstehende das Ausmaß der Gefahr, die Kinder von Zeugen Jehovas ausgesetzt sind, immer deutlicher wird, in einem Umfeld, in dem von Kindern Missionarstätigkeit und Engagement in der Gemeinde verlangt wird (ie. Kinderarbeit), ist dieser Film vielleicht eine logische Entwicklung – aber als Mitglied der Gesellschaft, als Familienmensch, als Bürger mit gesundem Menschenverstand, ja, als CHRIST kann man nur noch den Kopf schütteln. Mehr denn je müssen wir alles tun, um Kindern in Sekten einen Ausweg zu bieten. Denn: Würde die wahre Religion Kindern Angst machen? Würde ein Gott, der Liebe ist, wie die Bibel sagt, wollen, dass man Kindern Angst einjagt? Wegen eines Spielzeugs? Die Antwort liegt auf der Hand.

Sparlock The Warrior Wizard ist ohne Zweifel ein weiterer Tiefpunkt in der an Tiefpunkten nicht armen Geschichte der Zeugen Jehovas.

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Die Wachtturm-Gesellschaft befürchtet katastrophale finanzielle Konsequenzen

Im Zuge des Candace-Conti-Urteils hat die Wachtturm-Gesellschaft jetzt die Befürchtung geäußert, die Zahlung einer Sicherheit über 17,3 Mio Eur könne sie ernsthaft in die Bredouille bringen:

Now the Society appears to be pleading poverty, implying that it cannot afford to produce the required $17.3 million dollars by way of surety without using property instead of cash. (Quelle)

Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet also, grad nicht ganz so flüssig zu sein und bittet darum, ihre Gebäude als Sicherheiten verwenden zu können. Aus unserer Sicht ist das nichts anderes, als Justizpingpong seitens der Zeugen, und der lahme Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wie dem Rechnungsabschluss der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania vom 31. August 1998 zu entnehmen ist, wurde das Rechnungsjahr 1997/98 mit einem Reinvermögen von über 604 Millionen US-$ eröffnet und mit mehr als 705 Millionen US-$ abgeschlossen – ein Zuwachs von über 100 Mio US-$ innerhalb eines Jahres. Nun mag das nicht repräsentativ für die letzten Jahre sein, viel schlechter dürfte es ihnen aber auch nicht gehen. Insider vermuten, dass die Wachtturm-Gesellschaft primär davon ausgeht, die Berufungsverhandlung zu gewinnen und deshalb Angst hat, das bereits ausgezahlte Geld nicht wieder zurückzubekommen.

Wir sind keine Juristen, das mag alles seine Richtigkeit haben. Aus menschlicher Sicht ist es jedoch nur ein weiterer Beweis, dass die Zeugen Jehovas in einer Liga sind mit der katholischen Kirche, was die Menschenverachtung betrifft.

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Verkündiger 2.0: Jehovas Zeugen jetzt „Bibellehrer“?

Als wir von wtwatch noch treue Zeugen Jehovas waren, hießen wir „Verkündiger“, kurz für „Verkündiger der guten Botschaft“. Beim routinemäßigen Scannen der Website der Zeugen Jehovas fiel uns dann Folgendes auf:

Auf der Startseite unter dem großen Teaserbild wird bei der Länderinfo nicht mehr von Verkündigern (wie es früher in den Jahrbüchern Usus war) gesprochen, sondern von „Bibellehrern“. Ist das offizielles neues Zeugensprech? Ist der Verkündiger aufgewertet worden zum Bibellehrer? Um sachdienliche Hinweise in den Kommentaren oder per Mail sind wir dankbar.

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